Alles hat seine Zeit

Eine der größten Gaben, die eine gelebte Weiblichkeit mit sich bringt, ist es, zu erkennen, wann die Zeit für etwas reif ist.

Wir sind zyklische Wesen und durchlaufen immer wieder, bei allem was wir machen, vier Phasen. Diese vier Phasen spiegeln sich in unseren Zyklusphasen, in den Jahreszeiten und in den Mondphasen wieder. Jede dieser Zeiten bringt eine Qualität mit sich und in jeder dieser Zeiten steht etwas Anderes an.

Diese Phasen sind:
Herbst,
Winter,
Frühling
und Sommer.

In allen Aspekten unseres Lebens, sprich: im Job, in unserer Beziehung, in unseren Freundschaften, in der Wohnsituation usw., befinden wir uns in einer dieser vier Phasen. Es ist Gold wert zu erkennen, in welcher Phase welcher Teil deines Lebens gerade ist.

Um dir das Ganze greifbarer zu machen, gebe ich dir ein Beispiel aus meinem Leben. Es geht um einen Teil von meinem Übergang aus meinem Yogalehrerin-Dasein hin zu dem, was ich jetzt mache.

Vor einigen Jahren, als ich in einen Yogakurs zum Unterrichten gegangen bin, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass es nicht mehr meins ist. Es hat sich plötzlich fremd angefühlt, nicht mehr in Einheit mit mir und nicht mehr echt.

Das Gefühl ist immer großer und präsenter geworden und ich hatte keine Ahnung, wieso ich es habe. Rational gesehen nämlich, war Yoga das, was ich geliebt habe, das womit ich mich tagein tagaus beschäftigt habe und das, was ich von Herzen gerne geteilt habe. Es hat alles keinen Sinn gemacht, doch trotzdem ging dieses sanfte Anstupsen von innen nicht weg.

Ich habe teilweise an mir gezweifelt. Das Gefühl hat mir Angst gemacht, denn ich hatte keine Alternative. Das Einzigste, was ich wusste war, dass das, was ist, nicht (mehr) das Richtige ist.

Ich war in der Herbst-Phase.
In der Herbst-Phase geht es um eins: LOSLASSEN.
Meist kommt dieses Gefühl, dass es Zeit dafür ist, etwas loszulassen, mit der Angst nicht zu wissen, was als Nächstes kommt. Was passiert, wenn ich den Job kündige? Wenn ich die Beziehung beende? Was mache ich dann?
Es gibt zwei Wege, wie wir diese Phase durchleben können:
Vertrauen oder Angst.

Angst führt dazu, dass wir noch fester halten an dem, was ist. Wir legen es uns mit rationalen Erklärungen zurecht, reden uns ein, dass es so richtig ist und bleiben beim Alten. Langfristig führt das zu Bitterkeit, Freudlosigkeit, Leblosigkeit. Wieso? Weil wir aus dem Kopf leben und nicht aus dem Herz. Das Herz macht das Leben bunt und füllt es mit Liebe. Das ist seine Aufgabe. Wenn wir dem Herz nicht vertrauen, dann wird es mit der Zeit immer grauer in und um uns.

Vertrauen führt dazu, dass wir uns dem hingeben, was sich richtig anfühlt (hier: loslassen). Dass wir unserer inneren Stimme folgend mit dem gehen, was teilweise keinen Sinn ergibt und total irrational erscheint.

Nach langem Hadern, Zweifeln und mit einer Portion Unsicherheit, entschied ich mich dafür, etwas Neues zu wagen. Ich tat es, in dem ich meine Arbeit als Yogalehrerin losgelassen habe. Nein, ich wusste nicht was kommen wird und ja ich hatte Angst, doch mein Vertrauen war tiefer. Meine Sehnsucht, erfüllt und nach meinem Herz zu leben, war tiefer als die Angst.

Vertrauen ist wichtig, um das Bisherige loslassen zu können.
Dieses Vertrauen brauchen wir auch, um durch die nächste Phase zu gehen:
Die Winter-Phase

In der Winter-Phase ist eine Sache präsent: NICHTS.
Und das ist genau richtig so.
Es ist nicht die Zeit, in der wir wissen, was als Nächstes kommt,
es ist nicht die Zeit, um in Aktion zu gehen.
Es ist die Zeit, um ganz still zu werden und zu warten.

In dieser Stille und im Warten zu schlummern, fühlt sich so an, als würde nichts passieren. So kommt es schnell vor, dass wir unruhig und gestresst werden. Wir fühlen uns verloren, sind voller Unsicherheit und haben Angst, dass uns die Zeit davon rennt. Angst, dass nichts kommen wird. Angst, dass wir alles falsch gemacht haben. Unsere Umgebung unterstützt das Ganze nicht umbedingt positiv, denn in unserer Gesellschaft wird diese Phase nicht als wichtig anerkannt.

Doch sie ist essentiell und es tut sich unter der Oberfläche eine Menge:
Wir bekommen Klarheit.

Wenn wir bewusst in der Winterphase sind, dann sind wir sehr verbunden mit uns selbst. Mit unserem tiefen Kern. Genauso wie während der Menstruationszeit in unserem Zyklus. Aus der Verbindung mit unserer Tiefe beginnt eine Klarheit zu wachsen, eine Vision von innen nach außen. Diese Vision muss nicht unbedingt ein Bild sein, sie ist auch manchmal ein Gefühl dafür, wie du dich gerne in deinem neuen Job, deiner Beziehung oder einem anderen Bereich fühlen möchtest.

Wie lange es braucht, um diese Vision, diese Klarheit zu bekommen, weiß nur die Weisheit und es gibt keine Vorgaben. Geduld ist gefragt und die Fähigkeit zu vertrauen, dass nach dem Winter immer und ausnahmslos jedes Jahr der Frühling kommt.

Ich wusste nicht, was als Nächstes kommen wird. Ich habe es mir gedanklich immer wieder zurecht gelegt, was ich alles machen könnte. Dieses könnte passen oder jenes wäre doch eine gute Idee, doch keiner dieser inneren (und äußeren) Vorschläge blieb länger als ein paar Stunden oder Tage. Keine der Ideen hat mir das Gefühl gegeben, dass sie das Richtige ist. Also habe ich gewartet. Mit der Zeit kam immer mehr Klarheit. Nicht nur darüber, wie es aussehen wird, sondern vor allem wie ich mich fühle, wenn ich weiß, dass es das Richtige ist.

Dank der Klarheit der Winter-Phase, wissen wir was wir wollen. Das hilft, wenn die Frühlings-Phase kommt. Hier geht es nämlich darum, Entscheidungen zu treffen. Doch ohne die Verbindung zu unserer Tiefe, die wir während der Winter-Phase bekommen haben, treffen wir Entscheidungen rational.

Zum Beispiel hört sich der Frühling in unserem Liebesleben von einer Kopf-basierten Entscheidung so an:
Er ist so toll, wir passen perfekt zusammen denn:
•er mag auch Spinat,
•wir sind ähnlich alt,
•wir haben den gleichen Freundeskreis,
•wir können über alles reden.

So eine Auflistung machen tun wir dann, wenn wir während der Winter-Phase nicht tief genug in unser Innerstes getaucht sind. Wir haben keine Vision und keine Klarheit und greifen aus Angst und Ungeduld zum Nächstbesten. Das Problem damit ist: das Nächstbeste wird uns nicht erfüllen, denn es reicht nicht bis zu unserer Tiefe hin.

Nur das, was zu 100 % passt, genügt. Nur das, wo du ein JA im ganzen Körper fühlst. Der Kopf wird deine 100 % in Frage stellen. Er wird dir sagen, dass die anderen Optionen besser sind und wird dir dafür viele plausible Gründe geben. Dieser Moment ist ein Test. Ein Test der nochmal prüft: vertraust du? Wie sehr bleibst du kompromisslos bei dem, was sich für dich richtig anfühlt?

Nachdem ich wusste, wie ich mich fühlen werde, wenn das Richtige kommt, habe ich mich gegen alles, was mir nicht dieses Gefühl gegeben hat, entschieden. Ich bin durch jede Tür gegangen, die sich richtig angefühlt hat: von der Website, zu den Texten, zu den Bildern, alles. So ist mit der Zeit – und mit viel Geduld – das entstanden, was du jetzt von mir kennst. 

Irgendwann kommt es. Das, was außen ist, spiegelt das, was du innen fühlst, wieder. Wenn das passiert bist du in der Sommer-Phase. In dieser Zeit ist handeln, agieren, erblühen, machen, tun und umsetzen angesagt. In dieser Phase bist du, wenn du mitten im Erleben bist. Du bist in der Beziehung, die passt, in dem Job, der dich erfüllt, in der Wohnung, die dich glücklich macht und hast Freundschaften, die dich nähren.

Oh, wie gerne wir diese Phase festhalten würden.

Doch auch sie ist irgendwann vorbei, denn nach dem Sommer kommt jedes Jahr wieder der Herbst. Irgendwann merkst du, dass eine Veränderung ansteht. Ein neuer Zyklus steht an.

Alles hat eine Zeit.
Eine Zeit, um zu empfangen,
eine Zeit um zu blühen,
eine Zeit um zu strahlen,
eine Zeit um zu gehen.
Alles.
Ausnahmslos.

Je früher wir uns dieser Tatsache bewusst werden, umso weniger Widerstand gegenüber Veränderungen haben wir und um so entspannter und leichter leben wir.

Wieder zyklisch und nach unserer Natur zu leben ist die Basis von Modul eins der Feminine Soul Series. Dieses Modul findet nächstes Jahr zum ersten Mal statt. Um zu erfahren, wann die Termine feststehen, trage dich hier ein.

Jetzt würde ich mich freuen, von dir zu hören:

In welcher Phase bist du in deinem Liebesleben?
In deiner Wohnsituation?
In deinem Beruf?
Teile es mir unten in den Kommentaren mit!

 

(Foto vom großartigen Patrick Frost (www.patrickfrost.co.uk))

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Ich lebe und lehre den Weg der wilden Weiblichkeit. Eine Lebensart die all unsere Facetten – unsere Dunkelheit und unser Licht – begrüßt und feiert. Mit großer Hingabe ermutige und inspiriere ich vor allem Frauen dazu, auf die Stimme ihres Herzens zu vertrauen, ihren Körper zu lieben und zu respektieren, ihre wechselhafte Natur zu würdigen und ihre Sinnlichkeit zu leben.

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